Philosophie der Aufklärung – Ausgewählte Aspekte und Aktualität Symposium am 16. März 2024 in Nürnberg & via Zoom  
© Gesellschaft für kritische Philosophie/Humanistische Akademie 2023-24

Programm

Ablauf

  Uhrzeit   Programmpunkt   10.00       Einführung   10.15       Prof. Dr. Wulf Kellerwessel (Aachen):                  Einführung in die Philosophie der Aufklärung   11.00       Dr. Ruth Spiertz (Heinsberg):                  Pierre Bayle und die Autonomie des Denkens   11.45       Kaffeepause 1   12.15       Dr. Martin Morgenstern (Sankt Wendel):                  Empirismus, Skepsis und Rationalität bei David Hume   13.00       Mittagspause   14.15       PD Dr. Ulrike Bardt (Koblenz):                  Der Aufklärer Voltaire - eine kritische Stimme der Vernunft in                  Auseinandersetzung mit dem Atheismus   15.00       Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber (Brühl) (via Zoom):                  Der Antipluralismus bei Rousseau und seine folgenreiche Wirkung -                  Identitäres Demokratieverständnis als latente Diktaturbejahung   15.45       Kaffeepause 2   16.15       Prof. Dr. Rudolf Lüthe (Aachen):                  Das Unbehagen in der Moderne. Gestalten der Aufklärungskritik im                                    20. Jahrhundert   17.00       Podiumsdiskussion zur Aktualität aufklärerischen Denkens              18.00      Ende der Veranstaltung Nach jedem Vortrag sowie im Rahmen der Podiumsdiskussion besteht für die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen zu stellen und Diskussionsbeiträge zu äußern.

Themen

Einführung in die Philosophie der Aufklärung Prof. Dr. Wulf Kellerwessel Unter „Philosophie der Aufklärung“ wird eine breite und vielfältige, reform- orientierte oder revolutionäre geistige Strömung des 17. und vor allem des 18. Jahrhunderts verstanden, die insbesondere in Europa und Nordamerika ihre Wirkung entfaltet hat. Sie hinterfragt bestehende Auffassungen kritisch und intendiert, den Menschen das „Licht“ der Vernunft zu bringen. Dabei zeigt sie sich fortschrittsorientiert und optimistisch. Zugleich aber ist die Philosophie der Aufklärung begrifflich nicht einfach zu fassen, denn sie ist sehr uneinheitlich und zeitlich wie räumlich schwierig exakt einzugrenzen. Der Einführungsvortrag soll trotz dieser Schwierigkeiten einen einführenden Überblick über diese bis heute wichtige, aber oft auch kritisierte Epoche der Philosophie geben und dabei ihre Bedeutsamkeit auch für die heutige Zeit herausstellen. Pierre Bayle und die Autonomie des Denkens Dr. Ruth Spiertz Pierre Bayle (1647  1706) setzt mit seinem Hauptwerk Dictionnaire historique et critique Maßstäbe, auch hinsichtlich des Umfangs und der Form des Wörter- buchs. Die aus dieser Form und ihrer eigenwilligen Umsetzung resultierende unsystematische Behandlung philosophisch-theologischer Grundsatz- diskussionen fordert die Autonomie des Lesers in besonderer Weise heraus, müssen doch argumentative Zusammenhänge aus verschiedenen Artikeln erst hergestellt werden. Bayles eigene Position bleibt dabei schwer zu bestimmen: Ist er ein „maskierter“ Atheist, wie viele seiner Kritiker geglaubt haben, oder sind sein Bekenntnis zum Christentum und seine scheinbar fideistische Position ernst gemeint? Um dieser Frage nachzugehen, liegt der Schwerpunkt des Vortrags auf der Untersuchung ausgewählter Inhalte und des methodischen Vorgehens des Autors. Dadurch soll deutlich werden, warum Bayle zu Recht als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Frühaufklärer gilt. Empirismus, Skepsis und Rationalität bei David Hume Dr. Martin Morgenstern David Hume, der dritte Hauptvertreter des klassischen Empirismus, ist vor allem als Metaphysikkritiker und Skeptiker bekannt. Seine Kausalitätsanalyse weckte Kant aus dem „dogmatischen Schlummer“ und seine Induktionskritik wurde zu einer großen Herausforderung für die moderne Wissenschaftstheorie. Durch seine erkenntniskritischen Betrachtungen hat er die Fragwürdigkeit metaphysischer Ideen offengelegt, aber auch Grundprobleme des Empirismus selbst verdeutlicht. Hume erscheint geradezu als der Philosoph, der den Empirismus zu Ende gedacht hat und der dabei zu skeptischen Konsequenzen gelangt ist, die nicht nur den Vernunftglauben der Aufklärung, sondern sogar die Naturwissenschaften infrage zu stellen scheinen. In diesem Vortrag soll Humes Empirismus hinsichtlich seiner Konsequenzen für die Fragen der Skepsis und Rationalität untersucht werden. Ausgehend von seiner empiristischen Grundposition werden zunächst seine Analysen der Kausalität und Induktion vorgestellt. Danach werden seine (pragmatische) Einstellung zur Skepsis und seine (implizite) Rationalitätsauffassung unter- sucht. Abschließend geht es um die sich daraus ergebenden Konsequenzen         für das Gesamtbild von Hume als Empirist und Skeptiker. Der Aufklärer Voltaire - eine kritische Stimme der Vernunft in Auseinandersetzung mit dem Atheismus PD Dr. Ulrike Bardt Der französische Aufklärer Voltaire wird vorgestellt als moderner Zeitgenosse im Kampf gegen Fanatismus, Ideologie und Glaubenssysteme und als prominen- ter Vertreter für Denk- und Meinungsfreiheit. In diesem Sinne wurde nach dem islamistischen Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo mit Schildern aufgewartet, auf denen der Name Voltaire stand, der als Programm galt gegen religiösen Fanatismus und für ein entschiedenes Engagement für Toleranz. Vorgestellt werden Voltaires philosophische, literarische und persönliche Schriften, die Eigenart seines Philosophierens, die darin besteht, dass Voltaire in skeptischer Grundhaltung alle philosophischen Systeme seiner Zeit kritisch hinterfragt hat, ohne je ein eigenes philosophisches System zu begründen. Eine unvoreingenommene Beobachtung aller wesentlichen Fragen zeichnet sein Denken aus. Den Fähigkeiten der Vernunft vertraut er nur bedingt und nimmt die Haltung eines Agnostikers an. Eingegangen wird auch auf seine Gottesvorstellung: Nach Voltaire spricht viel für die Annahme eines höchsten Wesens, ohne genau zu wissen, was dieses ist und wie es wirkt. Er versteht Gott als ersten Beweger, der das Universum nach seinen Vorstellungen ausgestaltet. Stets liegt die Zweckdienlichkeit der Gottesidee zugrunde, die eine Gesellschaft von Atheisten für ihn undenkbar erscheinen lässt: „Wenn es Gott nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.“ Voltaire hat zu seiner Zeit auch unter repressivem Druck Toleranz als Pfand der Humanität bestimmt. Sein Aufruf zur kritischen Reflexion und zum Gebrauch des Verstandes ist heute relevanter denn je. In einer Zeit der Desinformation und medialer Manipulation kann er wie kaum ein anderer Philosoph ermutigen, einen kritischen Geist zu bewahren und sich von Vorurteilen zu befreien. Der Antipluralismus bei Rousseau und seine folgenreiche Wirkung – Identitäres Demokratieverständnis als latente Diktaturbejahung Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber (via Zoom) Für manche Betrachter ist Rousseau der geistige Vater der Volkssouveränität. Auch Anhänger der Basisdemokratie berufen sich gern auf diesen Denker. Dabei blendet man aber den ausgeprägten Antipluralismus bei Rousseau aus, sah er doch in unterschiedlichen Auffassungen und Interessen gefährliche Wirkungen für den sozialen Zusammenhalt. Damit bildete ein identitäres Demokratie- verständnis die Grundlage für Rousseaus bevorzugte Vertragstheorie. Aus seinem Antipluralismus folgte bereits bei ihm eine latente Diktaturbejahung, sollten doch die Menschen nötigenfalls zu ihrem „wahren“ Volkswillen gezwungen werden. Ihre Bestätigung findet diese besondere Deutung auch in der Rezeption etwa von Carl Schmitt als einflußreichem Staatsrechtler. Auf das gemeinte identitäre Demokratieverständnis beziehen sich auch gegenwärtige Diktatoren und Extremisten gern. Das Unbehagen in der Moderne. Gestalten der Aufklärungskritik im 20. Jahrhundert Prof. Dr. Rudolf Lüthe Die aktuellen Formen von Gegenaufklärung (Anti-Intellektualismus, „Alternative Fakten“, Nationalismus und vieles mehr) lassen sich auf eigentlich konstruktiv gemeinte Formen der Aufklärungskritik im 20. Jahrhundert zurück- führen. Als solche präsentiert der Vortrag die Thesen, es gebe eine „Perversion der Aufklärung“ (Horkheimer/Adorno, Sloterdijk, Foucault), die Aufklärung überfordere die Menschen (Gehlen, Münsteraner Schule, Toulmin) und die postmoderne Auffassung, die Aufklärung sei ihrerseits nur eine neue Form mythologischen Denkens. Auf der Basis einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Thesen soll die Frage nach den Möglichkeiten einer Re-Vitalisierung des „Projekts Aufklärung“ gestellt werden.

Tagungsort

Das Symposium findet in Nürnberg im Marmorsaal der „Nürnberger Akademie“ statt (siehe die oberen zwei Fotos links auf dieser Seite). Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Gewerbemuseum, erbaut von 1892 von 1897 im Stil eines repräsentativen neobarocken Schlosses. Das Museum war zugleich handwerkliche und industrielle Bildungsstätte zur Vermittlung der künstleri- schen Gestaltung von Gebrauchsgegenständen - heute würde man „Design“ sagen.

Essen & Trinken

In den beiden Kaffeepausen (11.45 Uhr und 15.45 Uhr) wird es nicht nur Getränke, sondern auch süße und herzhafte Kleinigkeiten zu essen geben. Die Verpflegung in diesen beiden Pausen ist im Teilnahmebeitrag inbegriffen. Das Mittagessen (13.00-14.15 Uhr) nehmen die Teilnehmenden in einer Lokalität ihrer Wahl und auf eigene Kosten ein. Wir empfehlen das Restaurant Heilig-Geist-Spital, das ca. 5 Gehminuten vom Tagungsort reizvoll in der Nürnberger Altstadt liegt (siehe die drei unteren Fotos links auf dieser Seite; Lageplan und Wegbeschreibung im PDF ebenda).
Der Weg vom Tagungslokal zum Heilig-Geist-Spital; hier der Lageplan mit Wegbeschreibung als PDF-Download.
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